Szene aus "Ihr seid bereits eingeschifft", 2021, diverse Spielorte, Frau zieht Sack hinter sich her, vor Panoramafenster mit Blick auf Bäume und Wasser

Ihr seid bereits eingeschifft

Silvia Costa

»Ihr seid bereits eingeschifft« – Dieser Satz aus den Gedanken (Pensées) von Blaise Pascal steht als Motto über Silvia Costas neuer Arbeit für das Vorarlberger Landestheater. Wir sind bereits eingeschifft, ja, bereits an Bord gegangen für diese Reise, die Leben heißt, aber unweigerlich zum Tode führt. Und dieser Tod kann uns, so Pascal, entweder in die schützenden Hände Gottes führen oder in fürchterliche Vernichtung. Oder aber: ins Nichts.

​Silvia Costa, italienische Regisseurin und langjährige künstlerische Mitarbeiterin von Romeo Castellucci, entwickelt ein Projekt an der Schnittstelle von Theater und bildender Kunst und nimmt das Publikum mit auf die Reise zum See und hinein in vier große Kulturhäuser. Sie stellt die Frage nach Leben und Tod, aber auch nach dem Dazwischen, nach dem unruhigen Weg von einem Ufer zum anderen.

Ihr seid bereits eingeschifft besteht aus vier Arbeiten, die speziell für Kunstorte in Bregenz geschaffen wurden; wer sie erleben will, muss ebenfalls hinaus, muss sich von einem Ort zum anderen bewegen. Nur durchs eigene Zutun vervollständigt sich das Werk: die Betrachterinnen und Betrachter stellen sich ins Bild, werden zum Subjekt der Darstellung.

Termin 4., 5. und 6. Juni 2021 – 16.00 Uhr
13., 14. und 15. August 2021 – 16.00 Uhr
Festspielhaus | Seestudio, vorarlberg museum, Vorarlberger Landestheater, KUB Sammlungsschaufenster

Uraufführung 

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Um den Abschied zu vermeiden

Das Bild des Wassers dringt gleichsam durchs Panoramafenster ein, fließt mit blauen Tönen über das Glas. Als segelte man im Bauch eines Schiffes, das den Körper eines kleinen Jungen durch eine rituelle Reise, einen Lebensbogen trägt. Kompositionen der Musikerin Kali Malone begleiten diese Reise; gespielt auf der Orgel, dem Instrument der Winde, sind sie wie der nicht zu fassende Wind selbst, der die Segel der Schiffe bläht.

Mit einer Orgelkomposition von Kali Malone

Mit Gloria Dorliguzzo, Rosabel Huguet Dueñas, Anna Martens, Verena Reiter, Florian Zörner
Organist Johannes Hämmerle


Station 1
Seestudio im Festspielhaus

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Wohlbefinden wird mit Eifer besiegt, sonst nichts

Von oben und wie durch das Objektiv einer riesigen Kamera blickt man aufs Seepanorama; ein unwirkliches Bild. Ein junges Wesen bewohnt den Raum, vielleicht in Hoffnung und Gebet; der Körper scheint über Jahrtausende verändert, vielleicht durch eine kranke, schwarze Sonne, die im jegliche Farbe nahm, die Knochen verkalken ließ.

Mit Sarah Barth

Station 2
Panoramaraum im vorarlberg museum

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Wirf alles was du hast ins Feuer, sogar deine Schuhe

Vor Prometheus verschwindet das Panorama, verlöscht, eingehüllt in die nächtliche Schwärze des Alls. Übrig bleibt nichts als Klang und der Sandboden eines verlassenen Strandes. Die Natur verdunkelt sich, Prometheus‘ Diebstahl zerreißt das Bild – aus dem Loch in der Leinwand dringt eine klagende Stimme; unendliches Klagelied des Menschen, unendlicher Weg ohne Wiederkehr.

Mit Luzian Hirzel

Stimmen Maria Lisa Huber, David Kopp, Nico Raschner

Installation zu Der Gefesselte Prometheus von Aischylos

Station 3
Box im Vorarlberger Landestheater

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Und Gott ruhte am siebten Tag

Ihr seid bereits eingeschifft – in diesem Raum wird es zum gemeinsamen Unterfangen einer Familie, weitergegeben von Generation zu Generation. Die Großmutter, die Mutter, die Tochter: gemeinsam arbeiten sie daran, ein neues Panorama aus dem Nichts der weißen Leinwand zu erschaffen, es einander zu erzählen. Bis das Bild fertig ist.

Mit Paula Czizegg, Juliane und Johanna Amann und Herta, Regine und Ronja Reininger

Station 4
KUB-Sammlungsschaufenster

Besetzung

Inszenierung, Bühne
Silvia Costa  

Field Recordings, Musik, Sounddesign
Nicola Ratti

Kostüme 
Laura Dondoli

Mitarbeit Inszenierung
Rosabel Huguet Dueñas

Mitarbeit Raum
Alessio Valmori

Skulpturen, spezielle Requisiten
Istvan Zimmermann & Giovanna Amoroso, Plastikart Studio